Fitzroy fitz you!
Als taktisches Mittel zum Autoverkauf hatten wir uns einmal wieder überlegt genügend Zeit einzuplanen, aber noch einen Programmpunkt aufzuhalten, falls der Verkauf nicht so lange auf sich warten lassen würde. So können wir den Käufer zu einer schnellen Entscheidung bringen, da wir ein Vorhaben haben und der Käufer kann uns auch nicht mit einem unverschämt niedrigen Angebot kurz vor Abreise überreden; gegebenenfalls hätten wir aber genug Zeit das Auto zu verkaufen.
Am Sonntag den 14. März kamen wir im Sydneyer Stadtteil Kings Cross an, wo sich einst der berühmt berüchtigte Carmarket befand. Seinerzeit tummelten sich über mehrere Etagen einer Parkgarage Backpacker, willens ihr Gefährt(en) an den nächsten Backpacker weiterzuvererben. Nach Tagen Wartens untertage, musste der glückliche Verkäufer den Zurückgebliebenen ein Sixpack Bier schenken. Da es diese Institution nicht mehr gibt, entdeckten wir zufällig vor der Tür unsere Herberge, dass die Victoria Street die Funktion des Backpacker Carmarket übernommen hatte. Die Leute packten Stühle aus, stellten ihr Equipment zur Schau und spielten zum Zeitvertreib zwischen den Autos Schach. Dass hier gerade mal eine Stunde geparkt werden darf und dies auch von der Polizei kontrolliert wird, schien niemanden zu stören.
So stellten wir unseren Tags zuvor geputzten Pajero samt seinem Dachzelt auf dem Rücken in den Schatten einer Platane und warteten. Wir warteten zwei Tage. Natürlich hatten wir ihn auch auf einigen Internetportalen (sogar kostenpflichtigen) inseriert. Ein einziger Interessent und der merkte auch noch den Ölverlust des Motors, der wie ein Wasserhahn vor sich hin tropfte – und das ist nicht übertrieben.
Leicht enttäuscht, dass unser Dachzelt (in der Strasse konnten wir es leider nicht aufklappen) die Käufer nicht wie ein Magnet anzog, sahen wir die Idee nach erfolgreichem Verkauf noch nach Melbourne zu fliegen immer weiter in die Ferne rücken. Um wenigstens die Zeit des Wartens auf einen Interessenten nicht zu sinnlos zu verbringen, beschlossen wir den Straßenmarkt, der bei Anwohnern nicht so gern gesehenen ist, zu verlassen. Manche Autos wurden mit „Abschaum“ beschmiert. Das war gar nicht so abwegig, da man einigen der Autos sehr gut ansah, dass die Zeitgenossen darin die letzten zwölf Monate darin hausten und es wohl nicht mal angemessen hielten das Auto zum Verkauf wenigstens vom Müll zu befreien. Wir aber machten uns also lieber auf zum Strand. Wir fuhren an „den“ Strand, nach Bondi. Wir lagen in der Sonne, sprangen kurz mal in die inzwischen schon herbstlich kühlen Fluten und träumten von Melbourne. Am späten Nachmittag bemerkten wir einen verpassten Anruf und eine SMS, in der ein Backpacker an unserem, an diesem Morgen um 1000$ reduzierten Fahrzeug, Interesse kund tat. Also machten wir einen Besichtigungstermin für fünf Uhr abends aus und schafften es gerade noch so zurück in die Stadt zum vereinbarten Treffpunkt. Ein junges holländisches Pärchen war auf der Suche nach einem geländegängigem Fahrzeug mit genügend Schlafplätzen. Nach einer Stunde Vorzeigen, unter die Lupe nehmen, Reden und einer Probefahrt schlugen sie fest entschlossen zum Kauf ein.
Was für eine Erleichterung für uns. Noch auf unseren Weg zum Zimmer in unserem Hostel fingen uns Bernd und Martina, ein einige Abende zuvor kennengelerntes Pärchen das die Welt bereist, ab und wir verkündeten bei ein paar Tropfen Wein unseren geglückten Autoverkauf. Aus den Tropfen wurden Schlucke, Flaschen, ein langer Abend und zu guter Letzt ein fast drei Tage anhaltender Kater bei Philipp.
Morgens drauf buchten wir uns kurzer Hand für den darauffolgenden Tag einen Flug nach Melbourne und packten unsere sieben Sachen Reise fertig. Wie sich am Flughafen rausstellte – mit über sechs Kilogramm Übergepäck. Aber wer weiß schon, dass man innerhalb Australiens auch zwei Handgepäckstücke mitnehmen darf – und das auch noch mit Flüssigkeiten über 100ml. Von Sydney aus bemühten wir uns auch noch um eine Unterkunft. Und „bemühen“ ist auch der richtige Ausdruck, weil Barbara fast unsere ganze Prepaid Karte dafür aufwendete, ein Zimmer für uns zwei zu bekommen. Schließlich entschieden wir uns für das letzte Zimmer in einem Backpacker für 100$ – ohne eigenem Waschbecken, geschweige denn Klo oder Dusche.
In Melbourne finden im Herbst zu dem ohnehin erhöhten Touristenaufkommen noch eine Reihe von Veranstaltungen statt. Vorne Weg die Formel 1, gefolgt vom L’Oreal Melbourne Fashion Week, dem 20. Melbourne Queer Film Festival, der Melbourne International Blumen und Garten Show, dem Melbourne International Comedy Festival, Thai Culture and Food Festival, dem World Street Food Festival, Melbourne International Dragon Boat Festival und dem weltberühmten Melbourne Food und Wine Festival. Alles das in dieser Woche und drum herum noch weitere kleinere und größere Events, wie In Visible Ink, Thred Den, Kunstausstellungen, NAB und Australien Football League,… Also alles in allem ne Menge los in Melbourne.
Melbourne selbst ist die Hauptstadt von Victoria, dem einzigen australischem Bundesstaat mit Flaschenpfand. Melbourne ist mit 3,7 Millionen Einwohnern Australiens zweit größte Stadt. Hier gibt es Hook Turns, melbournespezifische Abbiegemanöver und tolle Architektur, allein im Phaidon Atlas Of Contemporary Architecture zählten wir eineinhalb mal so viele Einträge wie in Sydney.
Melbourne ist eine aufgeweckte Stadt, voller Schokolade, kosmopolitischer Einflüsse und vielen Bevölkerungsgruppen. So wanderten wir wieder einmal viel zu Fuß um die ganzen Innenstadt nahen Suburbs zu erkunden. Wir aßen in leckeren Restaurants und Eisdielen im italienischen Viertel Carlton, schlenderten in St. Kilda die Uferpromenade entlang, besuchten die neugebauten Wohn- und Freizeitanlagen in „the Docklands“ und entdeckten die coolsten Cafes und Geschäfte im bohèmen und subkulturellen Fitzroy. indem gleichzeitig das Alternative, Angesagte, Multikulturelle und Künstlerhafte herrschen.
Die kommenden Tage wollen wir das für Australien ungewöhnliche Fahrradnetz Melbournes überprüfen bevor es mit dem Greyhound Bus des nächtens zurück nach Sydney geht. Von dort aus werden wir am Sonntag unsere Rückreise antreten.
Bis bald und wir freuen uns auf Euch,
Barbara & Philipp
Surfing down the coast
Wenn Ihr Euch fragt, was wir die zweieinhalb Wochen bis nach Sydney so gemacht haben, dann müssen wir gestehen, dass es nur Faulenzen und Surfen war. Und daher sprechen die Bilder für sich:
- Fischer an der Byron Bay
- Wir haben nun unsere eigenen Bretter
- der fruehe Surfer faengt die Welle
- Babsy traeumt – Lennox Head
- erneuter Versuch
- Sonnenuntergang in Yamba
- Arakwal National Park
- Pelikanpaerchen
- frueh morgens in Toowoon Bay
- der Strand ist wegen der Tsunami Welle gesperrt – Noosa Heads
- man naehert sich langsam an – Australien Zoo
- Raubtierfuetterung
- dauermuede Koalas
- vor der Skyline Sydney
- die drei Schwestern in den Blue Mountains
14. März 2010 at 6:05 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
S(tr)andsafari
Nicht zu den Highlights des wegweisenden Lonely Planet, aber definitv zu unseren, zählt Fraser Island. Letztendlich gehört diese 120 km lange und 15 km breite Sandbank zum Weltnaturerbe. Sie entstand in den letzten 800.000 Jahren durch Längsströmungen entlang der Küste und ist mit Regenwäldern, 40 Süßwasserseen und bis zu 224 m hohen Sanddünen überzogen.
Einzige, aber absolut dringliche Vorraussetzung, um dieses wundervolle Mysterium besuchen zu können, ist Allradantrieb und ausreichend Bodenfreiheit. Da wir ein solches Fahrzeug unser Eigen nennen, stand unserem Abenteuer fast nicht mehr im Weg. Dienstag Morgen besorgten wir uns noch die erforderlichen Genehmigungen für Fahrzeug und Übernachtungen und informierten uns über die bestehenden Gefahren wie Übergriffe durch Dingos auf Menschen, starke Strömungen, die Schwimmen im Ozean verbieten, die Tiden, die etliche Strandpassagen bei Wasserhochstand unpassierbar machen und Krokodilen an der Westküste. Zuvor noch fütterte Babsy früh morgens einen wilden, aber zutraulichen Delphin in einer nahe gelegenen Bucht.
Dann ging es zur Fähre, die in nur 5 Minuten, aber für 90$, an der schmalsten Stelle im Süden zwischen Insel und Festland übersetzt. So erlebten wir schon hier unser erstes Abenteuer, als wir den Strand zur Fähre überqueren mussten, die dort einfach ihre Ladeklappe auf den Sand lässt. Schwer bepackt und mit noch nicht präparierten Reifen kämpfte sich unser Pajero durch den losen Sand zur Fähre. Um die künftige Fortbewegung auf dem Strand und auf herausfordernden 4WD-Tracks für Mensch und Maschine zu erleichtern, reduzierten wir während der Überfahrt unseren Reifendruck diesmal um über die Hälfte.
Die gesamte Ostküste von Fraser Island kann, wenn man die Gezeiten beachtet, befahren werden. So düsten wir nahe der Brandung, wo der Sand am festesten ist, bis Eurong circa 40 km nördlicher. Ein kleines Resort mit Kiosk und Tankstelle mit hohen Preisen. Hier verließen wir den Strand und folgten einem Track, der durch wundervolle Vegetation mit verschiedenen Eukalyptusarten, Farnen und Palmen führt. Und da, wie man sich bei einer riesigen Sandbank vorstellen kann, der Untergrund nicht gerade feste ist, wurde die Fahrt zu einem echten Erlebnis. Immer mit dem Unterboden nahe am Sand schwammen wir in der vorgegebenen Fahrspur dahin. Hin und wieder mussten wir langsam und mit viel Geschick tiefe Löcher oder hohe Wurzeln überwinden, bei denen unser treuer Pajero immer wieder tief einfederte, stark verschränkte und auch mal ein Bein in die Luft streckte. Am Ende des Pfades lag der unglaubliche Mc Kenzie. Genau so sahen das wohl auch die anderen hundert Badegäste, die in zahlreichen hoch aufgebockten Miet-LandCruiser, die uns bereits am Parkplatz aufgefallen waren, gekommen waren. Der Mc Kenzie ist ein über die Zeit auf einer dünnen Schicht verrotteten Laub und Zweigen entstandener See. Er besteht aus glasklarem Wasser, das am Rand über dem schneeweißen Sand türkisblau schimmert und Karibikfeeling aufkommen lässt. Die Wassertemperatur dürfte am Rand über 30°C gehabt haben und so veranlasst uns die Szenerie am Mc Kenzie den restlichen Nachmittag zu verweilen.
Am Abend fuhren wir zu einem Campground, verwunschen im hohem immer grünem Regenwald – und natürlich einem hohen elektrifizierten Zaun umgeben, zum Schutz gegen die Dingos.
Am nächsten Morgen wollten wir einen weiteren „aufgesetzten“ kleinen See besuchen, an dem sich weniger Touristen versammeln. Dazu muss man einfach nur ein wenig zu Fuß gehen und schon hat man all die anderen abgehängt. Wir wanderten 45 min durch die Pflanzen- und Tierwelt, die hauptsächlich aus tausenden von Mosquitos besteht. Vielleicht ein weiterer Grund warum sich nicht so viele anderer Wanderer hier her verirren. Belohnt wurden wir mit einem erfrischenden Bad in einem wunderschönen See ganz für uns alleine. Dann ging es wieder über einen anspruchsvollen Trail zurück an den Strand, um schneller in Richtung Norden vorstoßen zu können. Leider kamen wir zu spät an eine Stelle, wo ein kleiner Bach eine Stufe in den Strand frisst während er sich zum Meer hinabarbeitet und deshalb nur bei Ebbe überquert werden kann. So schlugen wir schon am Nachmittag unser Zelt direkt hinter einer Düne auf und verbrachten den restlichen Tag mit Faullenzen am Meer.
Der Grund unseres Aufsuchens des nördlichen Teils der Insel waren die sogenannten Champagner Pools. Sie sind Meerwasserbecken in einer Felsformation, die mit jeder überschwappenden Welle mit frischem Wasser befüllt werden. Da die Strömung entlang der gesamten Insel so stark ist, dass das Baden im Meer zu gefährlich wäre, hatten wir hier die einmalige Chance wieder einmal ein Bad im Meerwasser genießen zu können.
An unserem letzten Tag auf Fraser Island mussten wir die gesamte Insel wieder bis an ihr südlichstes Ende hinunter fahren, um die Fähre ans Festland zu nehmen. Wir genossen früh am Morgen als einer der ersten nach der Flut am sonnigen Strand entlang zu brausen und durchfuhren die sich wiederholenden Priele immer schneller, sodass das Wasser immer noch höher über das Auto spritzte. Um noch einmal die Geländetauglichkeit unseres Autos auszunutzen, fuhren wir ein ganzen Stück im Inland vorbei an weiteren glasklaren Seen. Unser Besuch steigerte das Vertrauen ins Können unseres Pajeros und wir erlebten viel Neues und hatten eine richtig schöne Zeit auf der einzigen Sandbank mit echtem Regenwald.
Viel Grip wünschen Euch,
Fahrer Philipp und Copilotin Barbara
Tropicana
Nach zwei Wochen Wüstenexpedition erreichten wir endlich die Küste und das lang ersehnte Meer. Die nächste Etappe sollte am Great Barrier Reef entlang von Townsville aus in Richtung Süden gehen. Unsere ausgetrockneten Kehlen sehnten sich nach kübelweise Pina Colada am sonnigen Strand, doch kübelweise fiel eher nur der Regen vom Himmel: die Monsunzeit ist dort voll im Gange und die Luftfeuchtigkeit liegt bei gefühlten 99,9%. Wir wurden also erstmal kräftig nass – mit kaum Aussicht auf Besserung.
Daher führten wir zunächst im Bezug auf das Great Barrier Reef ein wenig überdachtes Aufwärmtraining durch und verbrachten einen wirklich interessanten Tag im örtlichen Riffaquarium und dessen Schildkröten-Rehabititionszentrum.
Das Great Barrier Reef zählt zu den sieben Naturweltwundern und ist das einzige Lebewesen, das vom Weltraum aus sichtbar ist. Das Riffsystem erstreckt sich vom südlichen Wendekreis bis hoch nach Papua Neuguinea, ist das größte der Erde und besteht aus 2900 einzelnen Riffen sowie über 600 Inseln. Es ist ein immens vitaler Lebensraum, man kann sagen das ozeanische Pendant zu den Regenwäldern Amazoniens. In ihm tummeln sich schätzungsweise 1500 Fischarten, 400 Korallentypen und 4000 Arten von Mollusken.
Das wollten wir uns natürlich ansehen. Wir packten wieder unsere Rucksäcke und brachen nach Airlie Beach an der wundervollen Whitsunday Coast auf. Von dort aus hat man die Möglichkeit mit einem Highspeed-Katamaran an ein Plattformriff namens Hardy Reef zu fahren. Da wir die Buchung über eine kleine Agentur im Ort vornahmen, bekamen wir ein Super-Angebot für die Fahrt zum Riff im Kombipaket mit einem Tag Segeln um die Whitsunday Inseln.
Am nächsten Tag gings also schon ausgerüstet mit Schnorchel und Taucherbrille los. Die Fahrt zum Hardy Riff dauerte 2,5 Stunden an den Whitsunday Inseln vorbei und übers offene Meer, wo uns dann ein riesiges Aluminiumponton mit zwei Etagen erwartete. Für die nächsten drei Stunden sollten wir von dort aus das Riff erkunden. Dazu konnten wir Schnorcheln oder Tauchen gehen, zu einer Unterwasseraussichtsstation hinab steigen, in einer Art U-Boot mit Glasboden die bequeme Tour um das Riff machen oder für schlappe 120$ einen zehnminütigen Helikopterflug antreten.
Bevor man jedoch ins Wasser steigt, muss man sich zunächst in einen engen, nicht besonders kleidsamen Stinger Suit quetschen. In unserem speziellen Fall setzten wir dem eher unvorteilhaften Schnitt des Anzuges farblich noch eines drauf, da wir nur noch die rosa farbigen Ausführungen erhaschten. Diese Suits, welche den ganzen Körper inklusive Hände, Füße und Kopf bedecken, sind von Oktober bis April für alle Schwimmer am nördlichen Teil der australischen Ostküste bis runter zum südlichen Wendekreis obligatorisch. Denn nur dieser schützt vor tödlichen Quallen wie beispielsweise der Würfelqualle, die einen Menschen innerhalb von drei Minuten das Leben kosten kann. Kaum im Wasser wurde uns schlagartig bewusst wie viele dieser Quallen (wenn auch sicherlich viele davon ungiftig) hier im Meer schwimmen – es waren unzählige von der Größe Euromünze bis Faustgröße.
Die Welt unter der Wasseroberfläche war sagenhaft farbenfroh und der Formenreichtum der Fische schien grenzenlos. Da waren Spitzmaul-, Kugel-, Nadel-, Zacken-, Stachel- oder Beulenfische…auch wenn das sicherlich nicht deren korrekte biologische Bezeichnungen sind. Auch einige alte Bekannte von den Cook Islands ließen sich hier blicken. Besonders faszinierend und zugleich etwas einschüchternd war das anfängliche Schnorcheln über dem tiefen und dunkel azurblauen offenen Meer bevor man das Riff erreichte, welches sich dann wie eine Plattform nur noch in ca. 2 Meter unter der Wasseroberfläche erstreckte. Auf diesem gab es immer wieder tiefere Schluchten bewachsen mit in der Strömung tanzenden Korallen, Anemonen und Seegras.
Nach einem BBQ an Bord des Pantons wurden wir alle samt wieder ans Festland gebracht. Dabei wurden wir informiert, dass unser für den nächsten Tag geplanter Segeltörn ausfällt – wegen eines Motorschadens des Bootes! Alles klar.
Viele Grüße aus dem tropischen Queensland,
Philipp & Barbara
24. Februar 2010 at 2:29 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
Ab durch die Mitte
Als wir nun unsere Reiserouten ausgearbeitet und Prioritäten gesetzt hatten, mussten nun nur noch die Jobangebote auftauchen. Und das taten sie auch. Leider nur nicht in Griffith, sondern 800km weiter westlich, den Sturt Highway entlang, der von einem großen Anbaugebiet zum nächsten führt. In Waikerie werden Zitrusfrüchte, im speziellen die Valenciaorange gepflückt. Wir schauten uns das bei einem Tag Probearbeiten an und stellten fest, dass bei 2,50 Euro pro Stunde das Preis-Leistungsverhältnis nicht ganz stimmt. Kurz, es handelte sich hier um totale Ausbeute von Backpackern.
Kurzer Hand entschieden wir, nicht mehr Zeit beim Warten auf Arbeit zu verschwenden, sondern aufzubrechen und neue Abenteuer zu erleben. Am nächsten Tag waren wir schon in Adelaide, von wo aus unsere Reise nördlich in den heißen trockenen Outback, in die Mitte, in das Herzen Australiens führen sollte.
Wir ließen noch einen Ölwechsel und kleinen Motorcheck durchführen, füllten unsere 65 Liter Wasservorräte randvoll auf, kauften noch einen hydraulischen zwei Tonnen Wagenheber und einen Kompressor, um immer unabhängig die Reifen dem entsprechenden Untergrund anpassen zu können. Eigentlich ist es hier üblich noch ein CB Funkgerät und einen zweiten Ersatzreifen mitzuführen. Leider ging uns dafür der Platz aus.
Da sich kurz nach dem man die Küste im Süden verlassen hat östlich des Stuart Highways die Flinders Range erheben, beschlossen wir dieses Eldorado für 4WD Fahrer, Wanderer und Campfreaks auch aufzusuchen. Hierbei handelt es sich um einen spektakulär faltigen Gebirgszug, der sich 400 km vom Spencer Gulf bis in trockene Hinterland zieht. Am ersten Tag stießen wir bis in die Mitte der interessantesten herausragenden Gebirgsformation vor. An dieser Stelle, dem Wilpena Pound, lässt sich am besten erfassen wie die Formation außen steil in roten Felsschichtungen abstürzt und nach innen hin sanft mit grünem Bush bewaldet abfällt. Beim Aufstieg kamen wir ordentlich ins Schwitzen.
In den folgenden Tagen sollten uns kleine Schotterpisten in nördlicher Richtung wieder an den Stuart Highway führen. Wie extrem abwechslungsreich hier das Wetter in den einzelnen Regionen sein kann, zeigte sich schon daran, dass unser Vorhaben an Überschwemmungen im vermeintlich trockenen Hinterland scheiterte. Also fuhren wir den Weg, den wir gekommen waren, wieder zurück an den „großen“ Stuart Highway. Es ist, abgesehen von den Küstenstraßen, die einzige geteerte Möglichkeit, den Kontinent in Nord-Süd-Richtung zu durchqueren. Dennoch handelt es sich hier eher um eine kleine Landstrasse, zwar meistens kerzengerade, auf der man nur vereinzelt auf Gegenverkehr stößt.
Wir durchfuhren in 14 Tagen vier Staaten. Von New South Wales über Victoria und South Australia zum Northern Territory, oder nur Territory wie es die Überlebenskünstler dort nennen. Kurz hinter der Grenze von NT führt eine ca 250 km lange Straße nach Yulara, einem einzigen Resort, das in verschiedenen Hotelklassen, Backpackern und Campingplätzen 5000 Betten bietet. Es ist Ausgangspunkt für eine der meistbesuchten Hauptattraktionen Australiens, den Uluru – ein Felsbrocken mit hohen Wiedererkennungswert. 3,6 km lang, ragt er 348 Meter über die struppige Umgebung. Er hat nicht nur eine hohe kulturelle Bedeutung für die Aborigines, sondern wirkte auch auf uns beeindruckend und umso unverständlicher sahen wir, wie die vielen Asiaten darauf rumkraxelten. Das Rumkraxeln holten wir dann ein paar Tage später früh morgens (selbst da ist es eigentlich schon zu heiß) an den hohen Felskanten des Kings Canyon nach, wo wir auch so einige ausgehungerte Dingos zu Gesicht bekamen.
Wieder einmal wollten wir auf einem etwas unkonventionellern Weg auf den Stuart Highway zurückkehren, der Red Central Road. Wir füllten unsere Wasserreserven wieder mal auf und tankten das gute Opal Benzin, ein geruchsarmer Treibstoff, der dem Benzinschnüffeln in den Aborigine-Gemeinschaften entgegenwirken soll. Des Weiteren besorgten wir uns eine Genehmigung für die Durchquerung von Aborigine-Land und machten uns auf den Weg. Schon nach wenigen Metern stand fest, dass wir auf Grund der extrem holprigen Sandstrasse erstens zwei Tage für die 200 km benötigen würden und außerdem unser Auto und gesamtes Equipment zerstören würden. Also änderten wir die Strategie, entließen über ein Viertel des Reifendrucks und schwebten fortan mit ungefähr 80 km/h und einer langen roten Staubwolke hinter uns über die Buckelpiste.
Endlich angekommen bei den zentralen Gebirgsketten der West Mac Donnel Ranges vertrieben wir unsere Zeit mit Plantschen in Wasserlöchern und Wandern durch haushohe Schluchten. Leider sahen wir alles nur im Raster, da wir seit unserer Ankunft am Uluru das Fliegennetz nicht mehr vom Kopf nahmen. Nun folgte noch ein kurzer Aufenthalt in Alice Springs, einer Stadt mitten in endloser Weite und bei Hochbetrieb von sechsmal so vielen Touristen wie Einheimischen beschlagnahmt. Als „Einheimische“ zählen jedoch nur diejenigen, die mindestens dreimal gesehen haben, dass der örtliche Fluss Wasser führt – und das kann schon mal 20 Jahre dauern.
Daraufhin überquerten wir den Tropic of Capricorn – richtig, es hört sich tropisch an, ist es auch, heißt aber der Wendekreis des Steinbocks, also der südliche Wendekreis. Von nun an ließen die allzu lästigen Fliegen der Wüste nach und die Anzahl Moskitos nahm gleichermaßen zu. Nun lagen noch 2400 km monotonste Überlandstrasse bis an die Küste vor uns, welche nur von an uns vorbeiziehenden Road Trains unterbrochen wurde. Stopp machten wir auf dieser Strecke lediglich um zu tanken oder zu schlafen – beides meist an verstaubten in der Leere des australischen Outbacks stehenden Roadhäusern. War gerade keines von diesen in Sicht, stellten wir unser Zelt an Parkbuchten neben der Straße auf und hörten die Nacht über Lkws „durch“ unser Schlafzimmer rollen.
Trockene Grüße aus dem staubigen Australien,
Barbara & Philipp
Wo ist eigentlich Griffith
Die letzten reifen Pfirsiche hatten wir letzte Woche von den Bäumen genommen und somit unsere Mission in Avaluen erfolgreich beendet. Da unsere Reisekasse damit aber noch nicht genügend gefüllt ist, brachen wir in das Anbaumekka Australiens auf. In und um Griffith werden 60% der Zitrusfrüchte New South Wales, 20% des australischen Weins, fast sämtlichen Reis Australiens und jede zweite Tomate oder Zwiebel für Mc Donalds, Kenntucky Fried Chicken und Co angebaut. Und dies sollte natürlich genügend Erntejobs für arbeitswillige Backpacker bieten, von denen sich hier leider mehr als genug aufhalten. Was heißen soll, dass wir hier mit einer Menge Gleichgesinnter seit einer Woche auf Jobs warten.
So sitzen wir nun in der örtlichen Bibliothek, in der es so kalt ist, dass wir sie während dessen als Kühlschrank für unsere gerade erstandenen verderblichen Lebensmittel nutzen, und verbringen die üppige Freizeit damit, eine passende Reiseroute durchs Ozyland zu finden. Beeinflussende Faktoren sind unsere weit verstreuten Points of Interest und unser Budget in Abhängigkeit von Arbeit und der daraus resultierenden verbleibenden Zeit, die sich wieder rückwirkend auf Arbeitssuche und Arbeitszeit auswirkt. Wie ihr seht verwirrend und eine mathematische Gleichung mit vielen Variablen.
Unser grober Reiseplan sieht acht Wochen Arbeit bis Ende Februar vor, gefolgt von drei Monaten Reisen durch Australien: Wir würden von Melbourne im südlichen Victoria die Great Ocean Road vorbei an den 12 Aposteln Richtung Westen nach Adelaide in South Australia nehmen. Von dort aus folgt die lange Durchquerung der Nullarbor Wüste (von lat.: kein Baum) mit einer unglaublichen 146,6 km völlig geraden befestigten Strasse in den Westen Australiens. Allein die Etappe Adelaide – Perth entspricht der Distanz London – Moskau. Nach der Erkundung der Küste um die einzige Metropole im Westaustralien sollte es von Perth über die größtenteils unbefestigte 2000 km lange Great Central Road zum Herzen Australiens gehen, dem Uluru – auch als Ayers Rock bekannt. Unsere Route würde weiter diagonal in den Nordwesten des Landes führen, wo wir an der Küste auf das Great Barrier Reef, dem größten Lebewesen der Welt, treffen. Zeitlich natürlich nach der Regenzeit, Ende April, so dass uns dann der letzte Abschnitt unserer Reise entlang der Ostküste via Brisbane und Fraser Island zurück nach Sydney bringen würde. Das sind laut Google Maps ca 12.000 km und man benötigt zu Fuß 85 Tage und 14 Stunden. Barbara ist sich sicher, es seien allerdings mindestens fünf Leben, 85 Tage und 14 Stunden.
Eine kürzere Alternative, die wir ins Auge fassen, falls wir nicht mehr arbeiten, führt uns direkt von Melbourne und Adelaide über den Stuart Highway ins Landinnere zum Uluru und von dort aus diagonal an die Küste des Great Barrier Reefs. Wir würden uns 5000 km und 1300 $ Spritkosten sparen, leider aber auch den Westen Australiens nicht zu Gesicht bekommen. Additiv dazu könnte man die Westküste im Anschluss mit dem Flugzeug und Mietwagen bereisen; jedoch mit Verzicht auf unseren Pajero und Dachzelt.
Die Möglichkeit unser Auto in Perth zu verkaufen und von dort nach Hause zu fliegen scheitert daran, dass wir aufgrund der New South Wales Registrierung unseres Autos, es auch dort wieder verkaufen müssen.
Ob warten oder weiterfahren, ob arbeiten oder nicht, ob Route eins oder zwei, wir sind hier in jedem Fall noch ein paar Monate beschäftigt.
Viele Grüße aus dem Kühlschrank,
Barbara & Philipp
- die große Runde
- die kleine Alternative
Fruitpicking Down Under
Um unser Leben unter freiem Himmel noch zu intensivieren und uns und unser Equipment auf die Probe zu stellen, entschlossen wir uns Weihnachten im Mimosa Rocks National Park zu verbringen. Nach 10 km Schotterpiste durch abgeschiedene Wildnis erreicht man dort einen Campground umgeben von zwei traumhaften Stränden. Hier gibt es kein fließend Wasser, keinen Strom und Handyempfang und die 10 Dollar Gebühr werden einmal am Tag von einem Ranger eingetrieben. Wir deckten uns mit genügend Wasser zum Geschirrwaschen, Duschen mit unserer Solardusche und Trinken sowie Lebensmittel für vier Tage ein und feierten Weihnachten dieses Jahr ganz ungewohnt am Strand. Die Tage in völliger Ruhe und Abgeschiedenheit von jeglicher Zivilisation genossen wir ausgiebig.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag, dem Boxing Day, sollten wir auf einer Obstplantage in Avaluen zum Arbeiten beginnen und reisten schon am ersten Weihnachtsfeiertag am plantageneigenen Campingplatz an. Bei strömenden Regen bauten wir unser Eigenheim auf und lernten gleich unsere neuen Kollegen kennen, die hier ebenfalls alle auf dem Platz in ihren Zelten oder Campervans hausen. Unser Zuhause für die nächsten Wochen ist auf einer weiten Wiese zusammen mit einer katastrophal chaotisches Küche und dreckigem Badhaus sowie einem Unterstand als Gemeinschaftsbereich, den ein paar Sperrmüllmöbel schmücken. Wären die Kollegen nicht so nett gewesen und wir nicht so herzlich aufgenommen worden, hätten wir wahrscheinlich gleich wieder das Weite gesucht.
Aber so standen wir am nächsten Morgen pünktlich um 6 Uhr bei Robin, der Chefin, auf der Matte, um den ersten Arbeitstag anzutreten. Seitdem klingelte bis jetzt jeden Tag um 4.30 Uhr der Wecker, um nach Frühstück und einem kurzen Weg zum Packhaus wenig später mit Andrew, unserem Supervisor, und den anderen im Kleinbus und Autokolonne zu den einzelnen Pfirsich- oder Nektarinenplantagen zu fahren. Wo genau es hin geht entscheidet der Manager erst kurzfristig am vorherigen Abend, denn die Früchte können je nach Wetter und Sonneneinstrahlung innerhalb weniger Stunden reifen und müssen dann schnellstmöglich gepflückt werden. Daher hängt die Länge der Arbeitstage ganz von der Laune der Sonne und der Früchte ab. Doch selbst am Neujahrestag bogen sich die Äste vor roten Früchten und wir erwiesen dem Orchard unsere Dienste.
Beim Colour-Picking, wie das Steinfrüchte –Pflücken hier in Fachkreisen genannt wird, ist es besonders wichtig, dass, wie man dem Namen schon entnehmen kann, man nicht Farbenblind ist. Je nach Sorte und Anforderungen muss der Picker zwischen Farben von Rot über Apricot, Gelb bis hin zu Cream und diversen Abstufungen durch Sprenkelungen unterscheiden können. Um den Größenanweisungen unseres Supervisors Andrew Folge leisten zu können ist es hilfreich, wenn man zwischen Billardkugeln und Tennisbällen differenzieren kann. Andrew, auch Elvis genannt, gibt seine Anweisungen zu den gewünschten Pflückfarben stets neben Englisch auch in Französisch und Deutsch. Ebenso wie sein lauter Schrei zur morgendlichen Neunuhr-Pause sowie zum Zwölfuhr-Lunch. Dies ist auf den großen Franzosen- und Deutschenanteil unter den arbeitswilligen Backpackern zurückzuführen, die ihn über die Jahre hin Sprachunterricht erteilten. Interessanter Weise muss je nach Art jeder Baum drei bis sieben Mal bepflückt werden bis er ganz abgeerntet ist, da die Früchte sehr unterschiedlich die optimale Farbe und Größe erreichen. Außerdem ist fürs Colour-Picking auch Kraft notwendig, um die schwere Eisenleiter tragen zu können, und ein wenig Kondition, um jene immer wieder aufs Neue zu erklimmen. Praktischerweise ist man über 40 Grad hitzeresistent jedoch leider auch wasserfest.
So schleichen wir bisweilen etwas hektischer etwa fünf bis fünfzehn Minuten um einen busch- bis baumgroßen Pfirsich- oder Nektarinenbaum und versuchen im blattreichen Laub die gewünschte Frucht zu finden. Diese landet in einem Korb, den wir wie einen Kängurubeutel vor uns tragen. Vor dort aus gelangen die Früchte in Plastikschachteln die ins Packhaus gebracht werden. Bei Zeiten fährt ein Traktor mit großen Holzkisten zwischen den Obstbäumen, in den man dann seine Korbinhalt füllt. Dies führt dann trotz stündlicher Entlohnung zu Stress, da man der Arbeitskolonne nachkommen muss. Wenn wir mal wieder große Massen an Früchten gepflückt haben, und die Arbeiter im Packhaus mit der Verarbeitung nicht mehr nachkommen, hilft Barbara dort aus. Die Pfirsiche werden hier von einer Maschine gewaschen, mit Jod und Wachs behandelt und in fünf Größen sortiert. Danach werden sie am Fliesband per Hand in Qualitätsstufen eingeteilt und in entsprechende Schachteln verpackt.
Nach getaner Arbeit kehren wir wieder an unseren Campground zurück. Die Zelte der Arbeiter sind ähnlich einer Wagenburg um einen überdachten Gemeinschaftsbereich angeordnet. Das Zentrum aller Aktivitäten. Denn die nächste kleinere Ortschaft mit Telefonempfang, Internet und kleinem Supermarkt liegt jenseits eines Passes und 30 Minuten entfernt. So verbringen wir hier gemeinsam die Nachmittage und Abende. Und wenn nicht gerade Silvester oder ein Geburtstag ansteht, haben wir auch schon den einen oder anderen fiktiven Geburtstag erfunden, um einen Grund zum Feiern zu haben. Dann wird der BBQ angeschmissen und unter Aufsicht unseres preisgekrönten Cocktailmixers die 40 Liter Kühlbox mit Caribian-Punch gefüllt. Und am besten fängt man damit frühzeitig am Nachmittag an, damit man rechtzeitig ins Bett kommt und am nächsten Morgen um 4:30 Uhr den Wecker wieder hört…
Auf ein Wiedersehen im neuen Jahr,
Barbara & Philipp
- Mimosa Rocks NP
- on the rocks
- kurze Abkuehlung an Weihnachten
- Fruitpicking
- im Orchard
- vom Bag ins Bin
- in der Pause
- Feierlichkeiten
- Silvester
- der Campground
- Sonntags-Strand-BBQ
- durch den Monga NP
Vom Leben unter freiem Himmel
Wir hatten einen straffen Zeitplan. Am Donnerstag sollten wir morgens mit Sack und Pack bei unserem Autoverkäufer, Nils, etwas außerhalb der City unseren Pajero abholen. Ganze zwei Stunden ließ uns Nils nicht wieder gehen bis wir schon offensichtlich ganz zappelig wurden. Weiter gings über Super Cheap Auto, wo wir einen Dachgepäckträger erstanden (nicht super cheap), und einem Outdoorgeschäft nach Wollongong etwa 80 km außerhalb Syndeys. Denn dort wohnte John, von dem wir einige Tage zuvor bei ebay ein Dachzelt ersteigert hatten. Marke unbekannt, jedoch für das afrikanische Militär hergestellt, um den widrigsten Bedingungen zu trotzen. John, sein Sohn Matt und seine Frau waren schon in den Startlöchern als wir dort aufschlugen und alle halfen eifrig mit das noch original verpackte Zelt zu montieren. So konnten wir Dank der netten Hilfe schon in der selben Nacht unser Zelt auf dem Rücken unseres Gefährten aufschlagen – und das noch dazu direkt am Strand. Den Sonnenaufgang über dem Meer hoch von unserem Zelt aus zu beobachten war wirklich unbeschreiblich.
Die darauf folgenden Tage quälten wir uns noch zwei Mal durch den schier unerträglichen Großstadtverkehr Sydneys, um noch das ein oder andere Campingequipment und Bettwäsche zu erstehen. Dabei mussten wir ganz zu unserem Erschrecken feststellen, dass IKEA Australien weder Gurken noch geröstete Zwiebel zum Hotdog serviert!
Gerade schlängeln uns gemächlich die Ostküste hinunter Richtung Victoria, haben der Landeshauptstadt, Canberra, bereits einen Besuch abgestattet und wollen Weihnachten noch am Strand verbringen bevor wir dann ins Landesinnere aufbrechen, um in die großen Anbaugebiete zu fahren. Denn nachdem wir uns schon fast die Ohren wund telefoniert haben, um an Feldarbeit zu kommen, werden wir nun unsere Strategie ändern und ohne konkretes Angebot persönlich dort aufkreuzen.
Da wir ja nun unser Eigenheim immer dabei haben und in freier Natur kampieren, müssen wir mehr im Einklang mit der Natur leben und unseren Tagesrhytmus noch optimieren. Denn morgens wecken uns laut kreischende Flugdinosaurier (wenn der Dschungel aufwacht hört sich das wirklich so an) und abends ist es einfach zu dunkel. Des Weiteren müssen wir an unserer Einstellung zu Kriechtieren und nervigen Fliegen arbeiten, uns daran gewöhnen mit Flip Flops zu duschen und im Takt mit wackeln, wenn ein Wombat sich des Nächtens an unserem Auto kratzt. Von der Hitze ganz zu schweigen! Nach einem 40 °C heißen Tag gestern überraschte uns am Abend der stürmische Ausläufer eines Zyklons, der unser Zelt zu zerreißen drohte. Wir mussten also in großer Hektik umdisponieren, sämtliches Hab und Gut nach vorne in den Fahrerraum befördert und es uns auf der Matratze im Kofferraum bequem machen. Entschädigt werden wir aber für die ganzen „Strapazen“ mit 24 Stunden frischer Luft, der Freiheit dort über Nacht bleiben zu können, wo das Meer auf die Küste rollt oder die Sonne feuerrot auf den Eukalyptus bewachsnen Bergen untergeht, und den Sternen zum Greifen nah zu sein. Und das ist doch was.
Frohe Weihnachten an alle!
Barbara & Philipp
On the road again
Wir melden uns zurück aus Sydney, wo wir uns nun schon die 3. Woche aufhalten. Unsere Füße sind platt und das Geld in der Kasse um ein paar Scheine weniger. Letzteres liegt neben den hohen Preisen hier in der Stadt aber daran, dass wir uns letzten Samstag einen Outback-tauglichen Mitsubishi Pajero in dunkelblau gekauft haben. Er verfügt über geländegängigen Vierradantrieb, einiges an Outdoorerfahrung (denn er hat schon 290.000 km auf dem Buckel), fünf Türen, 141 Pferdestärken und viel Platz im Kofferraum für unseren Backpackerhausstand (zumal wir dort ein Bettgestell mit Matratze montiert haben). Trotz dieser Schlafkoje im hinteren Teil des Pajeros haben wir uns jedoch bei Ebay ein Dachzelt ersteigert, um mehr Platz zu schaffen und möglichst weit weg von den Kriechtieren am Boden zu sein. Nun werden wir keine Hostels mehr anfahren müssen und können einfach spontan in freier Natur unser Nachtlager aufschlagen!
Der Namensgeber unseres Pajeros ist eine Unterart der Pampaskatze, die in unwegsamen Gebirgszügen Südamerikas lebt. Die Spanier unter Euch riechen sicherlich schon Lunte, denn auf spanisch bedeutet pajero „Wichser“, was die Mitsubishi-Strategen erst zu spät festgestellt haben und er nun in spanisch sprachigen Ländern den Namen Montero trägt. Kann ja mal passieren! Unser Auto hat damit also schon seinen Namen weg. Hoffentlich aber nicht das Image.
Nach ein paar Komplikationen mit dem verplanten und meist bekifften Verkäufer, Nils, hoffen wir nun endlich morgen Früh aufbrechen zu können, um unsere Geländegänglichkeit sowie die unseres neuen Kollegen einmal ordentlich auf die Probe zu stellen. So werden wir uns also erst einmal zu ein paar Stränden Richtung Süden aufmachen, vielleicht einen Abstecher in die Blue Mountains machen und dann die Suche nach Arbeit unsere weitere Route bestimmen lassen.
Viele Grüße von den neuen Eigenheimbesitzern,
Barbara & Philipp

Halbzeit in Sydney
ja wirklich – denn wir hatten diese Woche den 182. Tag unserer Reise.
Nun sind wir uns schon fast zwei Wochen in Sydney. Der zweite Teil unseres Abenteuers am anderen Ende der Welt hat begonnen. Mit Australien befinden wir uns auf der einzigen Insel der Welt, die auch ein Kontinent ist, und dem einzigen Kontinent, der auch ein Land ist.
80% der Tiere Australiens leben nur hier. Hier gibt es die zehn giftigsten Schlangen der Welt, Krokodile im Meer und Alligatoren in Süßwasser, giftige Spinnen, Muscheln, die beim Aufheben mit tödlichen Harpunen um sich schießen, Quallen und Haie im Ozean. Über all diese Gefahren und noch viel mehr haben wir uns hier im Australien Museum in der Ausstellung „Surviving Australia“ erst mal ausgiebig und in Farbe informiert. Sydneys schlimmste Gefahr ist die Trichterspinne, das giftigste Insekt der Welt, von deren Biss man, wenn man nicht sofort behandelt wird, mit unvergleichbar schmerzhaften Krämpfen herum taumelt, blau wird und stirbt. Es sind jedoch nur 13 Sterbefälle bekannt und seitdem 1981 ein Gegengift gefunden wurde, keiner mehr. Warum Australiens Spinnen so überaus giftig sind, kann sich keiner erklären. Denn obwohl sie nur kleine Insekten jagen, haben sie das Gift in sich, um ein Pferd tot umfallen zu lassen. Der einzige tierische Übergriff auf uns war bisher ein Vogel, der sich in unserem Bad verirrte und alles voll geschissen hat.
Zu unseren ersten Eindrücken von Australien zählt, dass es hier furchtbar heiß werden kann und es noch mehr deutsche Touristen zu geben scheint als in Neuseeland, das wir schon für das Malle der deutschen Individualtouristen hielten. Die Vorfreude auf Weihnachten ist auch hier schier ungebremst und so steht an jedem markanten Eckchen in der Stadt ein funkelnder Christbaum, wenn auch nicht mit Glühweinständen darunter.
Unsere letzte Woche stand unter dem Motto „Sydney zu Fuß“ und wir haben uns kräftig die Füße vertreten, um die Stadt mit deren zahlreichen entzückenden Vierteln kennen zu lernen. Wir waren viel in der Innenstadt unterwegs, in Darling Habour große Schiffe ansehen und den Fischmarkt besuchen, an Manly’s Strand, an der Watson Bay beim Fish & Chips Essen und sind von Bondi Beach den Klippenweg entlang nach Coogee Beach marschiert… oder wir haben einfach nur vom Mrs. Macquaries Point aus dem Sonnenuntergang vor der Kulisse von Harbour Bridge und Opera House zu gesehen. Dabei ging es bei den meisten unserer Unternehmungen ans Wasser, denn der Hafen (auch Port Jackson genannt) ist es doch, was Sydney ausmacht. Er ist ein Fjord mit 16 Meilen Länge, läuft von Ost nach West durchs Zentrum und trennt es daher in mehr oder weniger gleiche Teile.
Natürlich zieht die Oper alle Aufmerksamkeit auf sich, denn jedermann kennt sie – ob von Bildern, Photos oder aus dem Fernsehen. Ein wahres Wahrzeichen der Stadt, erbaut vom dänischen Architekten JÆrn Utzon. Der Entwurf war mit viel Ärger verbunden, denn es dauerte alleine fünf Jahre, um die Konstruktionsprinzipien für das Dach auszuarbeiten. Und die ganze Bauzeit war auf sechs Jahre angesetzt. Letztendlich benötigte man für die Fertigstellung fast 15 Jahre und pulverte 102 Mio.$ hinaus – 14mal soviel wie ursprünglich angenommen. Der Architekt selbst hat sein Werk jedoch nie zu Gesicht bekommen. Da er aus Qualitätsgründen keine kostensparenden Kompromisse eingehen wollte, entließ man ihn und er kam nie wieder nach Australien zurück. Was jedoch in den späten Jahren seines Lebens mehr an seinem gesundheitlichen Zustand lag als an der Schmach, die man ihm damit zufügte.
Und wenn man bei einer Hafenrundfahrt mit den dickbauchigen altmodischen Fähren nicht gerade von der in der Sonne glänzenden Oper ein Photo macht, dann sicherlich von der 503 m langen Harbour Bridge. Sie erhebt sich majestätisch über dem Port Jackson, verbindet North Sydney mit dem Central Business District Sydneys und sieht nicht nur riesig schwer aus, sie ist es auch: alleine der Brückenbogen wiegt 3.000 t. 1923 beschlossen die Bürger Sydneys die längste Einbogenspannbrücke der Welt zu erbauen. Doch da auch deren Fertigstellung länger als erwartet dauerte (insgesamt fast 10 Jahre), wurde kurz zuvor die Bayonne Brücke in New York eröffnet, welche 63,6 cm länger war als die Harbour Bridge. Man kann sich also gut vorstellen, dass das australische Selbstbewusstsein dadurch nicht gerade gestärkt wurde.
Gestern ging es ins Sydney Entertainment Center, wo wir fleißig mit dem Dahai Lama diskutiert haben, der gerade eine Reise nach Australien und Neuseeland unternimmt. Mit ca. 500 anderen Menschen durften wir ihn 2 Stunden über die Verantwortung an unserer Zukunft sprechen hören. Dabei steht unsere nahe Zukunft gerade noch unter den Sternen. Da die Stadt wegen Weihnachten und Sylvester aus den Nähten zu platzen scheint und damit die Zimmerpreise horrend in die Höhe steigen, haben wir uns dazu entschieden, uns jetzt schon ein Outback taugliches Auto zulegen und uns ins Hinterland aufzumachen. Nun heißt es also wieder auf Automärkten rumhängen und durch geschickte psychologische Fragestellungen die faulen Eier zu identifizieren.
Viele Grüße aus der City of the Villages,
Barbara & Philipp

























































































































